von Sven Schubert im Rahmen der Artikelserie
„Die Zukunft der Karriere: 12 Trends für ein Startup- und Entrepreneurial Mindset“
Der Kunde am Telefon tobt vor Wut, im Großraumbüro wächst der Druck und die Nerven liegen blank – in solchen Momenten zeigt sich, wie entscheidend emotionale Intelligenz im Berufsalltag ist. Dieser Begriff bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die der Mitmenschen wahrzunehmen, zu verstehen und konstruktiv zu beeinflussen. Fachwissen allein genügt längst nicht: In Umfragen bewerten 71 % der Arbeitgeber die emotionale Intelligenz von Bewerbern höher als einen hohen IQ (1).
Und auch die Wissenschaft untermauert den Wert der Empathie und Gefühlssteuerung: Wer sich gut in die Emotionen anderer hineinversetzen kann, steigt im Job schneller auf – zumindest wenn der nötige Karriereehrgeiz mitbringt (2). Kein Wunder, dass der Psychologe Daniel Goleman emotionale Intelligenz sogar wichtiger als den Intelligenzquotienten für erfolgreiche Führungskräfte erachtet (3). Doch was genau bedeutet das im Arbeitsalltag?
Selbstregulierung: Einen kühlen Kopf im Stress bewahren
Emotionale Intelligenz zeigt sich besonders in Stresssituationen. Ein konkretes Beispiel: Zwei Kollegen geraten in Streit über die Priorität in einem wichtigen Projekt. Ohne emotionale Kontrolle würde die Diskussion leicht eskalieren und in persönlichem Groll enden. Mit ausreichender Selbstregulierung jedoch bleiben beide ruhig, äußern ihre Standpunkte sachlich und finden einen tragfähigen Kompromiss (4). Dieses Beherrschen der eigenen Gefühle – von Ärger bis Frustration – ist ein Kernbestandteil emotionaler Intelligenz. Es verhindert impulsives Handeln aus dem Affekt. Gelingt die Emotionsregulierung nicht, drohen dagegen Missverständnisse, offene Konflikte und ein vergiftetes Arbeitsklima voller Stress und sinkender Produktivität (5). Emotional intelligente Menschen können solche Fallen meiden: Sie bewahren auch unter Druck einen kühlen Kopf, treffen überlegtere Entscheidungen und tragen so zu einer konstruktiven Teamatmosphäre bei.
Trainierbare Schlüsselkompetenz:
Die gute Nachricht lautet: Emotionale Intelligenz ist erlernbar und lässt sich gezielt trainieren (6). Anders als der IQ ist der EQ keine starre Größe – jeder kann an seinen „Soft Skills“ arbeiten. Wie das konkret aussieht? Ein bewährter Ansatz ist, bei sich selbst anzufangen. Zum Beispiel hilft es, in Stressmomenten zunächst tief durchzuatmen und bewusst einen Moment innezuhalten, bevor man reagiert. Diese Technik des „Erst nachdenken, dann handeln“ schult die Fähigkeit zur Selbstregulierung im Alltag (6). Auch Achtsamkeitsübungen wie Meditation zeigen nachweislich Wirkung: Sie reduzieren nicht nur Stress, sondern steigern sogar die emotionale Intelligenz (6).
Wer regelmäßig meditiert oder Atemübungen macht, stärkt damit seine Fähigkeit, in schwierigen Situationen gelassener und empathischer zu bleiben. Darüber hinaus empfehlen Experten, aktiv an Kommunikationsfähigkeiten zu feilen – etwa durch Workshops für empathische Kommunikation oder Konfliktmanagement. In solchen Trainings lernen Mitarbeiter, aktiv zuzuhören, non-verbale Signale besser zu deuten und konstruktives Feedback zu geben. Durch Selbstreflexion und Coaching kann man außerdem seine Selbstwahrnehmung schärfen: Feedback von Kollegen oder Vorgesetzten hilft, die Wirkung des eigenen Verhaltens besser einzuschätzen und gezielt an Schwächen zu arbeiten. All diese Maßnahmen erhöhen Schritt für Schritt den EQ und damit die berufliche Handlungsfähigkeit.
Ob im Kundenservice, im Teammeeting oder in der Chefetage – emotionale Intelligenz erweist sich als Schlüsselfaktor für Erfolg und ein positives Miteinander im Unternehmen. Sie hilft, Konflikte in Kooperation zu verwandeln und aus Drucksituationen konstruktive Lösungen zu machen. Führungskräfte mit hohem EQ können ihre Teams motivieren und Krisen souveräner meistern, aber auch Fachkräfte auf jeder Hierarchiestufe profitieren von Empathie und Selbstkontrolle. Da man emotionale Intelligenz bewusst entwickeln kann, lohnt es sich, in diese Kompetenz zu investieren. Letztlich schafft ein hoher EQ ein Arbeitsumfeld, in dem sich Leistung und Menschlichkeit nicht ausschließen, sondern gegenseitig fördern – eine Kombination, die im modernen Berufsalltag unbezahlbar ist.
Falls Sie Interesse am Thema Emotionale Intelligenz gewonnen haben können wir ihnen folgende Bücher empfehlen:
1. Daniel Goleman – „EQ. Emotionale Intelligenz“
Der Klassiker, der den Begriff populär machte und erklärt, warum EQ oft wichtiger ist als IQ.
2. Travis Bradberry & Jean Greaves – „Emotionale Intelligenz 2.0“
Praxisnahe Tipps und ein Selbsttest zur Einschätzung der eigenen emotionalen Intelligenz.
3. Ralf Dobelli – „Die Kunst des klugen Handelns“
Ein Buch über Denkfehler und emotionale Entscheidungen, die unseren Alltag bestimmen.
Empfohlene Thought Leader auf LinkedIn
1. Daniel Goleman – Psychologe und Autor, Experte für emotionale Intelligenz
2. Brené Brown – Führungsforscherin mit Fokus auf Verletzlichkeit und Empathie
3. Adam Grant – Psychologe mit Fokus auf emotionale Intelligenz in Unternehmen
4. Simon Sinek – Leadership-Experte mit besonderem Blick auf emotionale Faktoren
5. Amy Edmondson – Harvard-Professorin für psychologische Sicherheit in Teams
Quellenverzeichnis:
1. Crestcom: Was man Sie im Studium nicht lehrt! – Blogartikel vom 28. Juli 2022. Verfügbar unter: https://www.crestcom.com/blog/2022/07/28/was-man-sie-im-studium-nicht-lehrt
2. Universität Bonn: Studie belegt: Emotionale Intelligenz hilft bei der Karriere – Pressemitteilung, 16. Dezember 2010. Verfügbar unter: https://www.uni-bonn.de/de/universitaet/presse-kommunikation/presseservice/archiv-pressemitteilungen/2010/331-2010
3. Edworking: Emotionale Intelligenz in der Projektleitung: So verbessern Sie die Teamdynamik. Verfügbar unter: https://edworking.com/de/blog/remotework/emotionale-intelligenz-in-der-projektleitung-so-verbessern-sie-die-teamdynamik
4. Peaceful Leaders Academy: Emotional Regulation in the Workplace: Importance & How to Develop – Blogartikel vom 29. April 2024. Verfügbar unter: https://peacefulleadersacademy.com/blog/emotional-regulation-in-the-workplace/
5. MCIago: Emotionale Intelligenz: 5 Tipps für mehr Erfolg im Job. Verfügbar unter: https://mclago.com/erfolgsfaktor-emotionale-intelligenz-im-beruf/
6. Robert Half: Emotionale Intelligenz: Warum sie im Beruf so wichtig ist – Karriere-Ratgeber. Verfügbar unter: https://www.roberthalf.com/de/de/insights/karriereentwicklung/emotionale-intelligenz-im-beruf
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