Donnerstag, April 3, 2025
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Stressmanagement im Unternehmen: So klappt‘s mit Gelassenheit

Warum Anti-Stress-Maßnahmen für Unternehmen existenziell sind und was Führungskräfte konkret tun können für mehr Gelassenheit in der Arbeitswelt

Eine gestresste Arbeitswelt

Stressmanagement, was bedeutet Gelassenheit in der Arbeitswelt? Oder anders gefragt: Woran erkennt man, wenn die Gelassenheit in einer Organisation fehlt? Hier ein paar Anhaltspunkte:

  • Für einen Plausch mit den KollegInnen in der Teeküche ist keine Zeit
  • In Besprechungen werden noch so banale Details verbissen diskutiert
  • Zwischen Abteilungen und innerhalb von Teams kommt es zunehmend zu Konflikten
  • Die Gerüchteküche brodelt auf größter Flamme
  • Der Umgangston ist oft ruppig
  • Die Mitarbeitenden sind im Dauer-Alarm-Modus, die Zündschnur wird immer kürzer
  • Fehler werden geleugnet und vertuscht
  • Sämtliche Aufgaben müssen bis gestern erledigt sein, es wird nicht (mehr) priorisiert
  • Selbst kleine Probleme werden in den Stand einer Katastrophe erhoben
  • Krankenstand und Fluktuation haben einen Höchststand erreicht
  • Es wird immer schwieriger, neue Mitarbeitende zu gewinnen – trotz aufwändiger Recruiting-Kampagnen

Wenn Sie gerade ein paar Mal genickt und innerlich „ja, so ist es bei uns“ gesagt haben, dann habe ich eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte zuerst: Bei Ihrem Arbeitgeber gibt es vermutlich ein schwerwiegendes, chronisches Problem. Die gute Botschaft: Dagegen lässt sich etwas unternehmen. Denn: Alle genannten Entwicklungen haben etwas mit dem individuellen Stresserleben der Mitarbeitenden zu tun. Schauen wir uns das mal systematisch an.

Stressmanagement Negative Folgen von Stress am Arbeitsplatz

Was passiert, wenn sich Mitarbeitende am Arbeitsplatz zunehmend gestresst fühlen? Sie reagieren mit einer der drei typischen Stressprogramme (Stressmanagement): Fight, Flight oder Freeze.

  1. Fight: Mitarbeitende ergreifen die Initiative und kehren dem Arbeitgeber den Rücken zu. Sie kündigen und suchen sich eine neue Stelle. Folglich steigt die Fluktuation.
  2. Flight: Mitarbeitende „fliehen“ aus der Situation; sie entziehen sich dem Stress. Sie werden krank, und zwar immer häufiger und immer länger, mit der Konsequenz, dass der Krankenstand steigt.
  3. Freeze: Mitarbeitende „stellen sich tot“ und ziehen sich zurück. Sie treten den Weg in die innere Immigration an und machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Quiet Quitting lautet das dazu passende Schlagwort.

Stressmanagement diese drei Reaktionen führen in der Summe dazu, dass immer weniger Mitarbeitende immer mehr arbeiten müssen, wodurch das Stresserleben abermals gesteigert wird und die Produktivität zurückgeht. Das wiederum hat fatale Auswirkungen auf die Arbeitgeberattraktivität. Denn: Über kununu, jobvote und andere Portale wird transparent, welche Bedingungen tatsächlich bei einem Unternehmen vorliegen. Logische Folge davon: Immer weniger neue Mitarbeitende kommen, was den Teufelskreis noch einmal verstärkt (siehe Abbildung).

Stressmanagement Grafik Aufteilung welche Urdsachen STress hat!

Ursachen von Stress und Stressmanagement

Warum erleben Berufstätige – über Branchen, Unternehmensgrößen und Hierarchieebenen hinweg – immer mehr Stress? Die Ursachen sind in drei Hemisphären zu suchen, nämlich in gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, persönlichen Faktoren sowie Gründen, die in der Organisation bzw. deren Kultur liegen. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über einige (längst nicht alle) konkrete Treiber.

Stressmanagement Grafik Aufteilung welche Urdsachen STress hat!


Somit ist auch klar, dass es nicht alleinige Aufgabe des Mitarbeitenden ist, sein/ihr individuelles Stresserleben zu senken. Stressmanagement für Gelassenheit in der Arbeitswelt steht auch der Arbeitgeber in der Verantwortung – aus ureigenstem Interesse, wie ich aufgezeigt habe. Schauen wir uns deshalb an, was Unternehmen tun können, um gelassener zu werden.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Martin-Niels Däfler
Martin-Niels Däflerhttp://www.profdaefler.de
Prof. Dr. Martin-Niels Däfler (Jahrgang 1969) hat für die Boston Consulting Group sowie den Deutschen Sparkassen- und Giroverband gearbeitet. Seit 2010 lehrt als hauptamtlicher Professor an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main. Er ist Autor von 22 Büchern sowie über 170 Fachartikeln.
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