Inhaltsverzeichnis
- Was Gründer:innen wirklich in die Top 1 % bringt
- Produktivität beginnt im Kopf, nicht im Kalender
- Exzellenz ist ein Prozess – nicht ein Event
- Fokus ist kein Nice-to-have, sondern eine unternehmerische Pflicht
- Energie schlägt Zeit
- Mindset-Shift: Psychologische Stabilität als Performance-Multiplikator
- Always know your why: Intrinsische Motivation schlägt Druckkultur
- Achtsam performen
- Meisterschaft beginnt innen
Was Gründer:innen wirklich in die Top 1 % bringt
Sie träumen größer. Scheitern öfter. Denken schneller. Entscheiden mutiger. Was erfolgreiche Gründer:innen unterscheidet, ist nicht Talent, Glück oder Wissen, sondern innere Meisterschaft. High Performance beginnt nicht mit Tools. Sie beginnt im Kopf.
Produktivität beginnt im Kopf, nicht im Kalender
Produktivität ist kein Zufallsprodukt, sie entsteht durch Klarheit, Routinen und Fokus. Doch genau daran scheitern viele Startups. Zwischen Skalierungsdruck, Investorenrunden und unklaren Teamrollen gerät oft aus dem Blick, worauf es wirklich ankommt: Eine Arbeitsweise, die auf Energie statt Erschöpfung basiert. Eine Kultur, die Fokus ermöglicht, statt Überforderung zu zementieren. Und eine Haltung, die High Performance nicht mit Selbstausbeutung verwechselt. Denn wie überall gilt: Du bekommst, was du tolerierst.
Exzellenz ist ein Prozess – nicht ein Event
Wer Spitzenleistungen untersucht, stößt selten auf spektakuläre Geheimnisse. Vielmehr zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Exzellenz entsteht durch konsequente, unspektakuläre Routinen – wie es z.B. Daniel Chambliss in seiner Studie The Mundanity of Excellence beschreibt. In seiner Langzeitbeobachtung von Spitzensportler:innen zeigte sich: Nicht Außergewöhnlichkeit macht den Unterschied, sondern außergewöhnlich präzise Gewohnheiten. Nicht das „Mehr“, sondern das „Anders“. Und nicht Quantität, sondern Qualität. Nicht ein radikaler Plan, sondern radikale Kontinuität. „Die Leute wissen nicht, wie gewöhnlich Erfolg ist“, sagte Mary T. Meagher, dreifache Olympiasiegerin.
95 Prozent unseres Verhaltens gehen auf Gewohnheiten zurück, nicht weil wir faul sind, sondern weil unser Gehirn auf Effizienz ausgelegt ist. Wiederholte Muster schenken Sicherheit, entlasten die Entscheidungsebene und sparen Energie. Aus neurobiologischer Sicht ist das sinnvoll: Das Gehirn ist ein Energiesparer, der bekannte Abläufe bevorzugt und Neuem zunächst skeptisch begegnet. Vor allem der präfrontale Kortex – zuständig für bewusste Steuerung, Selbstkontrolle und Willenskraft – hat nur begrenzte Kapazitäten. Je stärker wir ihn beanspruchen, desto schneller sinkt unsere kognitive Selbstregulation. Deshalb gilt: Wer sein Verhalten nicht automatisiert, sabotiert langfristig seine Performance. Oder wie F.M. Alexander sagte: „Die Menschen entscheiden nicht über ihre Zukunft, sie entscheiden über ihre Gewohnheiten – und ihre Gewohnheiten entscheiden über ihre Zukunft.“
Chambliss nennt drei entscheidende Unterschiede zwischen Spitzen- und Durchschnittsniveau: Technik, Disziplin, Einstellung. Wer zur Weltspitze will, muss die Gegenwart meistern – das, was jetzt möglich ist, mit größter Sorgfalt ausführen. Immer wieder. Bestleistung entsteht in der Wiederholung: 1 % besser. Jeden Tag. Das ist Kaizen und diese Kontinuität führt uns zur Meisterschaft.
Fokus ist kein Nice-to-have, sondern eine unternehmerische Pflicht
Es geht um unsere täglichen Entscheidungen, nicht um unsere Bedingungen. Ablenkung ist dabei einer der größten Performance-Killer. Studien zeigen: Menschen wechseln im Schnitt alle 47 Sekunden ihre Aufmerksamkeit. 84 % haben ihre Inbox dauerhaft geöffnet, 70 % lesen neue Nachrichten innerhalb von 7 Sekunden. Durchschnittlich werden wir alle 11 Minuten unterbrochen und benötigen bis zu 23 Minuten, um wieder in den Flow zu finden.
Der Microsoft Work Trend Index zeigt, wie strukturell dieses Problem inzwischen ist: Wissensarbeiter:innen erhalten pro Tag durchschnittlich 117 E-Mails und 153 Chat-Nachrichten und werden während der Kernarbeitszeit etwa alle zwei Minuten durch Meetings, E-Mails oder Messaging-Tools unterbrochen.
Trotz hohem Arbeitspensum sind viele Wissensarbeiter:innen laut Studien gerade einmal rund 2,3 Stunden pro Tag wirklich fokussiert produktiv. Jede Woche geht so ein halber Arbeitstag allein dafür verloren, bereits Gedachtes und Begonnenes wieder aufzunehmen.
Wer als Gründer:in ständig reaktiv arbeitet, verliert strategische Klarheit. Deep Work – konzentriertes Arbeiten ohne Unterbrechung – ist deshalb kein Luxus, sondern eine unternehmerische Notwendigkeit. Fokus entsteht nicht durch gute Vorsätze, sondern durch bewusstes Design: klar geschützte Denkzeiten, reduzierte Reaktivität und eine saubere Trennung von Strategie-, Entscheidungs- und Antwortarbeit. Werkzeuge wie Kalender-Blocking, die Pomodoro-Technik oder die WOOP-Methode (Wish – Outcome – Obstacles – Plan) helfen, diesen Fokus operativ abzusichern und im Alltag konsequent zu verteidigen.
Energie schlägt Zeit
Zeit ist begrenzt – Energie ist trainierbar. Erfolgreiche Gründer:innen unterscheiden sich oft nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bewussteres Energie-Management. Sie kennen ihren zirkadianen Rhythmus, arbeiten in ultradianen Zyklen (90-Minuten-Fokus, 20-Minuten-Pause), achten wie Spitzensportler:innen auf Regeneration – nicht als Belohnung, sondern als festen Bestandteil ihres Systems.
Denn kognitive Hochleistung produziert neuronale Nebenprodukte wie Glutamat im präfrontalen Cortex, dem Bereich für Fokus, Entscheidungen und Selbstkontrolle. Wenn es sich über Stunden anreichert, stört es die Signalverarbeitung und senkt unsere geistige Leistungsfähigkeit, selbst bei stabiler Energiezufuhr.
Konzentration ist keine lineare Ressource, sie folgt einem natürlichen Takt aus Spannung und Entspannung. Alle 90 bis 120 Minuten braucht das Gehirn eine echte Pause. Wer diese Erholungsfenster konsequent einhält, schützt nicht nur seine kognitiven Ressourcen, sondern kultiviert nachhaltige Produktivität.
High Performance bedeutet nicht die Abwesenheit von Müdigkeit, sondern die Fähigkeit, mit Energie bewusst umzugehen – inklusive Micro-Breaks, Schlafoptimierung, Stresstracking, bewusster Ernährung und digitalen Off-Zeiten.
Mindset-Shift: Psychologische Stabilität als Performance-Multiplikator
Wer dauerhaft im Alarmmodus lebt, verliert die Fähigkeit zur Reflexion und Regeneration. Das Stresshormon Cortisol blockiert in kritischen Situationen den Zugriff auf gespeichertes Wissen und senkt unsere kognitive Leistungsfähigkeit deutlich. Genau deshalb ist emotionale Stabilität ein oft unterschätzter Performance-Hebel. Insbesondere für Selbstführung, mentale Klarheit und emotionale Kompetenz – gerade in Phasen von Unsicherheit, Ablehnung oder Überforderung. Denn unter Druck fallen wir in unsere ureigene Persönlichkeit zurück und reagieren reflexhaft statt bewusst zu agieren.
Wahre High Performer handeln nicht aus Angst vor dem Verlieren, sondern aus Lust am Gewinnen. Nicht aus Ego, sondern aus innerem Anspruch. Sie jagen nicht Status, sondern Standard – ihren eigenen. Diese Performance-Orientierung bedeutet: Ich vergleiche mich nicht mit anderen – sondern mit meinem Potenzial. Ich bewerte Misserfolge nicht als Beweis von Unfähigkeit, sondern als Daten für meinen nächsten Schritt. Ich arbeite nicht für Anerkennung, sondern für Entwicklung.
Misserfolg ist kein Urteil, sondern eine Rückmeldung. Trainiere dein Denken, in Rückschlägen Daten statt Drama zu sehen. High Performer suchen keine Schuld, sie suchen Struktur.
Always know your why: Intrinsische Motivation schlägt Druckkultur
Performer handeln nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung. Wer dauerhaft auf Weltklasse-Niveau performen will, braucht ein starkes inneres Warum, kein äußeres Wofür. Denn nur wenn Anstrengung mit Sinn verknüpft ist, entsteht Ausdauer ohne Verbitterung. Du musst wissen, was dich antreibt und wofür es sich lohnt, dranzubleiben, wenn alles in dir aufgeben will.
Gründer:innen und Unternehmer:innen, die aus innerem Antrieb handeln, agieren nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Klarheit. Sie wissen, wofür sie morgens aufstehen und wofür sie durchhalten, wenn es schwer wird. Dein persönliches „Warum“ ist kein Poster an der Wand, sondern ein innerer Kompass. Es verleiht auch dem Schmerz eine Richtung, gibt Energie in der Leere und schützt dich davor, falschen Zielen hinterherzulaufen.
Leistung ohne Richtung erschöpft. Die stärksten Gründer:innen kennen ihr persönliches „Warum“ und richten ihre Entscheidungen daran aus. Die Whitehall-Studie zeigte: Je weniger Selbstbestimmung ein Mensch bei der Arbeit hat, desto größer ist das Stressempfinden. Ein starkes und selbstbestimmtes Warum wirkt wie ein Magnet: Es zieht dich nach vorn, selbst wenn Willenskraft längst verbraucht ist.
Gründer:innen, die aus innerem Antrieb handeln, entwickeln eine andere Art von Ausdauer. Die Forschung zu den 16 Lebensmotiven von Dr. Steven Reiss zeigt: Langfristige Höchstleistung entsteht nur, wenn die Tätigkeit zur individuellen Motivstruktur passt – etwa zum Bedürfnis nach Einfluss, Wettkampf, Ordnung, Anerkennung, Neugier oder sozialer Nähe.
Wer aus Angst handelt, entwickelt keine Exzellenz, sondern Anpassung. Wer im Einklang mit seinen Motiven agiert, wird nicht nur effizienter, sondern auch resilienter.
Achtsam performen
Angst ist biologisch. Aber nicht schicksalhaft. Wer lernt, Angst zu verstehen statt ihr zu folgen, gewinnt Freiheit. High Performer trainieren ihren präfrontalen Kortex, nicht nur ihre Muskeln: Fokus auf den kontrollierbaren Prozess statt auf das unkontrollierbare Ergebnis. Bewusste Atmung statt Reaktion. Selbstwirksamkeit statt Perfektion. Wer der Angst nicht die Macht überlassen will, sollte lernen, die Gegenwart zu beherrschen, mental präsent zu sein und den Moment zu kontrollieren, nicht ein imaginäres Ergebnis. Tiger Woods sagte: „I refuse to give in to fear – real or imagined.“ Angst ist ein Gefühl. Kein Gegner.
Das Unternehmen Potential Project zeigte: Bereits einfache Achtsamkeitsroutinen – fünf Minuten am Morgen, eine Atemübung vor Meetings, das Mantra „Sei jetzt hier“ – senkten das Stressempfinden um durchschnittlich 37 %, verkürzten Meetings um 35 % und reduzierten das E-Mail-Aufkommen um 22 %. Je mehr Achtsamkeit Einzug hielt, desto erfolgreicher wurden die Unternehmen.
Meisterschaft beginnt innen
Nicht die äußeren Bedingungen entscheiden über unternehmerische Performance, sondern der Umgang mit Energie, Aufmerksamkeit und Emotionen. Erfolgreiche Gründer:innen brauchen keine Motivationstricks, sie gestalten ein Arbeits- und Lebensmodell, das Leistung ermöglicht, ohne zu entmenschlichen. Denn Erfolg ist kein Ereignis, sondern das Ergebnis eines lebbaren, wiederholbaren Prozesses.
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