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Es gibt Phasen im Unternehmertum, in denen die Welt draußen deutlich leiser wird. Die Aufträge stocken, die Anfragen bleiben aus, die Tage werden ruhiger und endlos lang. Und genau dann beginnt es im Inneren besonders laut zu toben: Gedanken, Zweifel, Fragen, die man im Alltag sonst wegdrückt.
2025 war so ein Jahr. Viele Unternehmen gingen bankrott, andere warfen freiwillig die Flinte ins Korn, manche wurden schlicht krank. Selbstständigkeit hat eben nicht nur Sonnenseiten und das muss man sich ehrlicher eingestehen, als es einem am Anfang lieb ist.
Die naive Rechnung am Anfang
Viele starten mit einer romantischen Vorstellung: „Ich mache die Türen auf und die Menschen kommen in Scharen.“
Krankenkassenkurse? Kein Problem. Fünf Kurse pro Woche, acht Teilnehmende, 160 Euro pro Person – macht 6.400 Euro im Monat, nur mit Kursen. Seminare? 1.200 Euro pro Tag. Systemische Einzelberatung? Acht Termine à 100 Euro – läuft.
So dachte man.
So rechnete man.
So hoffte man.
#wennmankeinenplanhatunddieersteinderfamilieistdieselbstständigist
Doch die Realität ist eine andere: Prävention interessiert viele erst, wenn es richtig weh tut – nicht, wenn es nur ein bisschen zwickt. Kurse bleiben leer oder sind höchstens zur Hälfte gefüllt. Tagesseminare buchen sich nicht von selbst und da Sie keiner kennt, keine Buchungen. Und Ausschreibungen? Davon hat man am Anfang oft keine Ahnung, geschweige denn davon, wie man sie gewinnt.
Rückblickend fragt man sich: „Wie konnte ich so denken?“ Und gleichzeitig weiß man: Hätte man die Wahrheit vorher gekannt, wäre man vielleicht nie losgelaufen.
Der Weg durch das Dickicht
Selbstständigkeit bedeutet nicht nur Ideen haben, sondern sich immer wieder neu erfinden. Pläne umwerfen. Wege korrigieren. Sichtbarkeit aufbauen, während man innerlich noch versucht, sich selbst zu sortieren.
Und dann kommen die Themen, über die niemand spricht:
Krankenkassen, die Anforderungen stellen, die sich ständig ändern
Rentenversicherungspflicht, die selbst die Rentenversicherung nicht klar beantworten kann
Miete, Strom, Telefon – alles wird teurer
Die Frage: „Ich verdiene zwar wenig, aber kann ich wirklich erhöhen?“

In den stillen Momenten wird es dann ohrenbetäubend laut. Abschalten? Fehlanzeige. Ängste und Willenskraft kämpfen gegeneinander, Tränen fließen, Nächte werden lang. Die Vision bleibt vor Augen aber die Realität hinkt massiv hinterher.
Selbstständigkeit ist kein Traum – sie ist ein Mix aus allem
Selbstständigkeit ist kein Instagram-Business mit Matcha im Café – zumindest nicht für die Mehrheit. Sie ist ein komplexes Geflecht aus:
Willenskraft
Einsatz
einem Traum
mentaler Stärke
realistischem Denken
und ja: Glück
Denn ohne die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort fehlt ein entscheidendes Puzzleteil.
Erfolg ist nie nur Fleiß.
Nie nur Talent.
Nie nur Strategie.
Es ist immer ein Zusammenspiel und manchmal entscheidet ein einziger Kontakt, ein einziger Moment.
Was nicht bedeutet, dass man sich zurücklehnen darf.
Wenn es still wird, wird es lauter
Stille ist kein Feind. Sie ist ein Spiegel. Sie zeigt uns:
Welche Stimmen in uns hilfreich sind
Welche Ängste real sind
Welche Gedanken wir beruhigen müssen
Welche Wahrheiten wir im Alltag verdrängen
In der Stille finden wir Antworten, die wir im Lärm nicht hören können. Im Lärm finden wir Energie, die wir in der Stille nicht spüren.
Beides gehört dazu – wie Ein- und Ausatmen.
Wie wir die Stille nutzen können
Reflexion statt Panik: Stille ist ein Signal, kein Urteil.
Neu sortieren: Welche Angebote tragen wirklich? Welche nicht?
Innere Stimmen prüfen: Ist das Angst oder Intuition?
Kraft sammeln: Stille ist ein Akku, kein Abgrund.
Viele Unternehmerinnen berichten, dass ihre besten Ideen in Momenten entstanden, in denen sie dachten, alles bricht zusammen, weil der Kopf endlich Platz hatte.
Wie wir das Laute nutzen können
Sichtbarkeit bewusst steuern: Nicht überall sein, sondern dort, wo es wirkt.
Energie nutzen: Wenn Anfragen kommen, Prozesse optimieren statt nur reagieren.
Mut zur Entscheidung: Lautstärke ist ein Motor, kein Dauerzustand.
Ein Seminar beispielsweise, das plötzlich ausgebucht ist, kann der Startschuss sein, um Strukturen zu schaffen, die man vorher nicht brauchte aber jetzt dringend benötigt.

Zwischen Stille und Sturm entsteht das echte Unternehmertum
Selbstständigkeit ist kein gerader Weg. Sie ist ein ständiges Pendeln zwischen laut und leise, zwischen Mut und Angst, zwischen Vision und Realität.
Wer bleibt, wächst. Wer hinhört, versteht. Wer durchhält, findet seinen Platz.
Die Stille zeigt uns, wer wir sind.
Der Lärm zeigt uns, was wir können.
Und beides zusammen zeigt uns, wohin wir gehen.
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.



